

Das Digitalfunknetz der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) auf der Basis der digitalen Bündelfunktechnologie TETRA (TErrestrial Trunked RAdio) befindet sich in Deutschland zurzeit im Aufbau. Es bietet gegenüber seinen analogen Vorläufern schnellere Rufaufbauzeiten, eine verbesserte Sprachqualität und ermöglicht erstmalig behördenübergreifenden und bundesweiten Funkverkehr. Vor allem unterscheidet sich das neue Netz durch die Abhörsicherheit für alle Funkgespräche der Polizei, Feuerwehr und vergleichbarer Organisationen. Es wird weltweit das erste Behördenfunknetz mit flächendeckender Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sein.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat eine BOS-Sicherheitskarte für die Endgeräte sowie eine Mehrkanal-Krypto-Komponente (MKK) für die BOS-Leitstellen entwickelt. Funkgeräte mit Verschlüsselungsfunktion auf Basis dieser BOS-Technik stehen bereits seit längerem in ausreichender Auswahl zur Verfügung während es bisher noch an verfügbaren, zertifizierten und ganzheitlichen Lösungskomponenten für die entsprechende Ertüchtigung der vorhandenen Leitstellen mangelt. Die unvermeidliche Komplexität in der Entwicklung solcher Lösungen erfordert die Kombination der unterschiedlichsten Kompetenzen.
Das LS1.CryptoGateway stellt eine optimale Möglichkeit bereit, eine Leitstelle an den neuen BOS-Digitalfunkstandard anzubinden. Die komplexe Kryptographie und die spezifische Netzwerkschnittstellentechnik werden auf einfachste Art für die Leitstellensteuerung abstrahiert. Die MKK-Karte mit ihren bis zu 64 Sicherheitskarten ist ein integrierter Bestandteil des LS1. CryptoGateways und wird vollständig transparent bearbeitet. Die Anbindung an die TETRA-Vermittlungseinrichtung (DXT) erfolgt über eine 2 Mb/s Primärmultiplexschnittstelle mit 31 Nutzkanälen à 64 kb/s. Die vom ISDN her bekannten Nutzkanäle werden noch einmal in je 8 TETRA-Kanäle aufgeteilt, so dass insgesamt 248 Sprachkanäle mit einer Anschlussleitung bereitgestellt werden. Dabei erreicht die Sprachqualität durch den technisch fortgeschrittenen TETRA-ACELP-Sprachcodec trotz der geringen Kanalbandbreite fast das Niveau von ISDN-Sprachverbindungen. Über Standard-Webservice-Funktionen (SOAP-Architektur) können herkömmliche VoIP-Kanäle den Funkgruppen oder Einzelrufen zugeordnet werden.
Das LS1.CryptoGateway wird zum einen direkt über die LS1-Schnittstelle mit dem Behördenfunknetz verbunden. Zum anderen wird dem Netzwerk der Leitstelle über einen Ethernet-Port der Zugang zu den Sprachkanälen über die standardisierten VoIP-Protokolle SIP (µLAW- oder GSM-kodiert) und RTP gewährt, sowie die Steuerungsschnittstelle über SOAP-Webservices bereitgestellt.
Über VoIP werden die Sprachströme für Einzel- und Gruppenrufe zu den Einsatzkräften im Feld realisiert, die über die Webservices konfiguriert werden können. Das virtuelle Betätigen der PTT-Taste erfolgt durch einen einfachen Webserviceaufruf. Außerdem können mit nur einem Webserviceaufruf Daten über den Short Data Service (SDS) am LS1.CryptoGateway ver- und entschlüsselt werden, die über die LS-2 Schnittstelle empfangen wurden bzw. gesendet werden.